Könige der Nacht

Sonderbayer, schreibst du mir was? Ein Wunschblog für Mirameter.

Der alte Mann fährt sich nachdenklich durch seinen Bart. Sein Gegenüber lächelt in aller Ruhe und zieht den ersten Bauern nach vorne. Ein Bauer, der den Beginn des Krieges symbolisiert. Der erste Bauer auf dem Platz der Freiheit, der erste Ruf nach Freiheit, der erste geworfene Stein.

Als die Sonne hinter dem Horizont verschwindet, macht der letzte Joint die Runde. Sie sitzen auf einer Mauer direkt am Barada. So wie der Fluss, der sich im Nichts verliert, verliert sich auch die Zukunft der Jugend. Sie verschwindet langsam in der Nacht wie der weiße Rauch aus ihren Mündern. Die Zukunftsangst liegt drückend auf ihnen wie der süße Geruch des Grases.

Als die Dunkelheit sich über Damaskus senkt, beginnt der Kampf. Sie schmieren Parolen an die Wände, zerstechen Reifen, bewerfen Gebäude; sie kämpfen den Kampf der Unterdrückten, den Kampf um Zukunft, den Kampf um eine Wahl. Sie sind die Könige der Nacht, die Helden ihres Viertels, getragen von dem festen Glauben, dass jeder Tyrann immer am meisten Angst vor seinem Volk hat.

Sie ziehen durch ihr Viertel und skandieren Parolen, sie singen ihr Lied von Freiheit, bis Schüsse sie niederstrecken. Und trotzdem kommen die anderen am nächsten Tag wieder, weil sie wissen, dass man zwar sie töten kann, aber niemals ihr Lied

Der alte Mann schwitzt nervös, seine Figuren führen nur noch trotzig nutzlose Schritte auf dem Feld aus, einzig und allein darauf bedacht, die Anzahl der Figuren auf dem Spielfeld zu verkleinern. Er hat den Krieg längst verloren, er kämpft nur noch um die leise Hoffnung eines Remis. Ihm gegenüber stehen hunderttausende Steine schmeißende, singende Revoluzzer und sie wissen genau: Nach jedem Remis kommt eine Revanche.

Wir wissen nicht, wer sie sind; friedliche Aufständische oder bewaffnete Taliban, überzeugte Demokraten oder Anhänger der Scharia, aber wir müssen jedem Volk seine Chance geben. Der Glaube an das Gute ist das Letzte, was sterben darf. Deswegen sage ich: Lassen wir die Syrer nicht alleine auf den Straßen von Damaskus, Hula und Dar’a sterben; reichen wir ihnen eine Hand für eine bessere Welt.

Gib nicht auf, Mira.

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