Von Mentholzigaretten und der Zeit.

Alte, gebrechliche Schritte knirschen auf Kies. Langsam bewegt der alte Mann die Knochen, die Gelenke krachen bei den vorsichtigen Bewegungen. Das volle, graue Haar fällt ihm in die Stirn, die Haarspitzen stechen in die Augen, der Schweiß läuft über die Stirn. Mit langsamen Bewegungen fährt er sich über das Gesicht. Die Hand gleitet in die Hosentasche, eine Mentholzigarette in den Mund. Der alte Mann lässt sich auf einer Bank nieder, zieht „Die Zeit“ hervor und beginnt zu lesen. Jedes Wort, von vorne bis hinten, er liest und versteht. Die Zeit. Wer kann das von sich behaupten?

Der alte Mann legt die Zeitung zur Seite. Er beobachtet die Vögel, die über ihm kreisen, den Wind, der durch Blumen fährt, er denkt an seine verstorbene Frau, die Blumen so gerne mochte. Er denkt zurück an die ewige Liebe. An gemeinsames Leiden im Krieg, geografisch getrennt, in Gedanken vereint. An schwierige Entscheidungen und an die tägliche Gute-Nacht-Mentholzigarette im Bett.

Die Vögel ziehen weiter, die Blumen verwelken und blühen neu. „Helmut?“ Ein Frau kommt, setzt sich zu ihm, hält seine Hand. Ein Kuss auf die Stirn. Eine gemeinsame Zigarette.

Zwei Jungs kommen vorbei. „Was machen die Alten da? Die Liebe ist doch für die Jungen.“ Helmut nimmt seine Schnupftabakdose, klopft sie gegen das Holz der Bank und sagt: „Die Liebe ist für alle da.“

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