Was Bio ist, ist gut.

Ich bin ein Kind des Dorfes. Ihr würdet vielleicht sagen ein Hinterwäldler, ein Bauerntrampel, ein was weiß ich was. Aber ich kann Wintergerste von Sommergerste unterscheiden. Ich bin in Maisfeldern vor Wildschweinen weggelaufen. Ich bin auf Heuballen geklettert und auf Siloballen nicht, die gehen nämlich dabei kaputt. Ich habe gewartet, bis die Felder abgedroschen waren, ich bin durch das Stroh gesprungen, habe Drachen steigen lassen, ich bin hingefallen und habe mir die Stoppeln des Getreides in den Fuß gerammt. Ich wusste, dass das Mais den Schweinen gefüttert wird und aus dem Getreide Mehl gemacht wird. Ich wusste es, denn das hat sich geändert.

Kein Brot mehr, sondern Benzin, kein Schweinefutter mehr, sondern Strom. Vielleicht bin ich ein Bauerntrampel, der die Welt nicht versteht, vielleicht bin ich ein blauäugiger Hinterwäldler, aber seid ihr dumm?

Die Sommer werden immer trockener, die Ernten immer schlechter und ihr schmeißt Nahrungsmittel in Biogasanlagen, um Strom zu erzeugen? Die Getreidepreise überall auf der Welt steigen und steigen und steigen und ihr macht Benzin daraus?

Menschen glauben: Was Bio ist, ist gut. Biogasanlagen! Super! Strom aus nachwachsenden Rohstoffen. Wir wollen keine Atomkraft. Wir wollen keine Hochspannungsstromleitungen durch unseren Garten. Wir wollen immer Strom. Damit wir pseudo-intellektuelle Blogs lesen können. Dass die kleinen verhungerten Kinder, die wir eine Minute zwischen Wetter und Sport in den Nachrichten sehen, noch weniger zu fressen haben, weil unsere tollen Biogasanlagen die Preise für Essen in die Höhe treiben, ist uns doch egal. Hauptsache immer Strom für RTL.

Jeden Tag fahren wir in unsere verhasste Arbeit, im Tank 10 Prozent Getreide. E10 von der EU verordnet. Das Erdöl geht zur Neige, dann verbrennen wir halt unser Essen.

Wir sind alle kleine Marie Antoinettes, wir haben jeden Sinn für die Realität verloren. Wenn die anderen Kontinente kein Brot haben, weil wir Benzin und Strom daraus machen, dann sollen sie eben Kuchen essen.

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6 Gedanken zu „Was Bio ist, ist gut.

  1. hashbytes sagt:

    Reblogged this on hashbytes.

  2. […] Was Bio ist, ist gut – oder auch nicht? Share this:FacebookTwitterGefällt mir:Gefällt mirSei der Erste dem dies gefällt. […]

  3. westernworld sagt:

    gut das uns das endlich mal jemand sagt.

  4. Esther sagt:

    Ganz großer Quatsch.
    Das Problem ist, dass es genug Nahrung gibt auf der Welt für ungefähr 10 mal so viele Menschen wie es sie jetzt schon gibt. Allein in Deutschland werden jährlich tonnenweise Lebensmittel weggeschmissen, um Preise aufrechtzuerhalten und den Markt abzuschotten vor Nicht-EU-Ländern.
    Des Übrigen würden von dem Getreide, das es braucht, ein Rindviech o.ä. zu mästen, auch verdammt viele Menschen satt. Aber auf die drei Zentner Fleisch pro Woche will ja keiner verzichten.
    Nur dann, wenn versucht wird, dass Autofahren umweltfreundlicher zu machen, wird rumgeschrien.

  5. @celluluara sagt:

    Ganz so undifferenziert kann man das aber auch wieder nicht sehen. Klar wird in Biogasanlagen Getreide verheizt. Aber es wird gesunder und erneuerbarer Strom damit erzeugt, der ein kleiner Schritt dazu ist, endlich von Atom- und fossil-thermischen Kraftwerken wegzukommen.
    Die Getreidepreise steigen, das stimmt. Aber wo? Bei den kleinen lokalen Landwirten? Das kann ich mir nocht vorstellen, denn warum sollten sie dann ihr Getreide an Biogasanlagen verkaufen, wenn die Nachfrage an Getreide zur Lebensmittelherstellung viel höher wäre? Es ist leider ganz umgekehrt: Viele Landwirte sehen sich damit konfrontiert, dass sie ihr Getreide immer billiger verkaufen müssen, um mit den Großproduzenten mithalten zu können. Ohne Förderungen durch die EU würde es den meisten Landwirten noch um einiges schlechter gehen. Eine Investition in eine Biogasanlage kann da mitunter lukrativer sein, als das Getreide um einen Spottpreis verkaufen zu müssen. Ich habe schon viele Landwirte sagen hören „Es ist traurig, aber bevor ich mein Getreide verkaufe, kommt es mir günstiger, wenn ich mein Haus damit heize.“

    Die Landwirte für das Verheizen ihres Getreides verantworlich zu machen, ist meines Erachtens der falsche Ansatz.

    (Ich komme aus einem kleinen Dorf, das umzingelt ist von hunderten Windrädern und einer Biogasanlage, bei der ich auch arbeite. Ich bin bei Gott kein Fan davon, Getreide verbrennen zu müssen. Ich bin aber auch kein Fan davon, den Landwirten den schwarzen Peter zuzuspielen, wenn sie aus ökonomischen Gründen dazu gezwungen werden.)

  6. Bernd Gnirss sagt:

    Wie bescheuert das ist, zeigt ein einfaches Datum: Solarzellen arbeiten mit 20% Wirkungsgrad, die Fotosynthese mit 1% (dazu noch die Verluste bei der Verarbeitung zu Biogas, Energie für Dünger und Pestizide)…und selbst unter den Solarpanels, wenn sie auf der Wiese stehen, wächst noch was… es entsteht so eine Art Streuobstwiesenklima.

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