Wie ein Schlag in die Fresse.

Ich muss es euch gestehen, ich habe ein schmutziges Geheimnis: Manchmal, ganz selten, gehe ich auf Facebook. Zwischen all den Geburtstagsglückwünschen und geklauten Tweets muss ich dann Dinge lesen wie „Endlich wieder Bundesliga“ oder „Auf geht’s in eine neue Saison“. Wenn ich das lese, bekomme ich ganz leise Angst. Eine Angst, die man nicht überall kennt, eine Angst, die man nur in Städten wie Duisburg, Bochum, Kaiserslautern, neuerdings in Hamburg, im blauen Teil von München und in meiner Fußballstadt, Nürnberg, kennt. Die Angst vor einer Saison wie ein Schlag in die Fresse.

Für mich gibt es nichts Schlimmeres als lesen zu müssen, mein Verein wäre Abstiegskandidat Nummer 1, sicherer Anwärter auf Liga 2. Es macht sich dieses Gefühl im Magen breit, dieses schlechte Gefühl, das man als Kind hatte, wenn man ohne Hausaufgaben in die Schule ging. Ein Gefühl von Zukunftsangst. Angst vor einem Absturz mit Aufprall irgendwo zwischen Aue und Rostock. Diese Angst lässt mich nicht mehr schlafen, mich nicht konzentrieren, ich werde launisch und leicht reizbar.

Du bist Hoffenheimer, Leverkusener, Wolfsburger oder Anhänger eines roten Schlauchbootes? Dann kennst du dieses Gefühl nicht. Das Geld wird euch spätestens in der Winterpause retten. Das Schlimmste, was euch passieren kann, ist eine Saison im unteren Mittelfeld oder einmal nur UEFA-Cup. Das Schlimmste, was uns passieren kann, ist, dass unsere Mannschaft jeden Spieltag aufs Neue niedergemacht wird, dass Trainer gewechselt werden wie Partner im Swingerclub, dass Durchhalteparolen leere Floskeln werden, dass jedes dreckige 0:0 ein Strohhalm ist, an den man sich klammert, von dem man wochenlang zehrt. Dann wird der wahre Fan geboren. Der Fan, der trotzdem jedes Wochenende in das Stadion geht. Der Fan, der trotzdem die Hymne lauthals mitsingt, der sich auch an kalten Montagabenden in halbleere Stadien stellt.

Dann, wenn die Angst zur Gewissheit wurde, wenn auf den Stehplätzen längst nicht mehr die Mannschaft angefeuert wird, sondern nur noch die Fans sich selbst feiern, dann ist das Fußball weit weg von 40-Millionen-Transfers und bunten Klatschhänden, dann ist der Fussball grausam, rau und dreckig.

Ihr könnt euch gerne wie der größte Fan der Welt fühlen, wenn ihr euch für 5.000€ eine Championsleaguekarte kauft. Aber erzählt mir nicht ein verlorenes Finale wäre grausam. Grausam ist von Liga zu Liga durchgereicht zu werden, um Lizenzen zu bangen oder gegen Städte zu verlieren, die man drei Tage zuvor gar nicht kannte. Die Angst davor ist, was ich am Fußball hasse und liebe, was ihn ausmacht und mich fertig. Das ist Fußball wie er sein soll.

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