Liebe Liebe,…

Ein halbes Jahr ist vergangen, seitdem ich mit Anna knutschend vor der Kirche stand. Es ist Sommer geworden und Elvis steht ganz oben in den Charts. Es ist nur der Remix eines holländischen DJ’s, aber wir glauben so fest an den Rock’n’Roll. Jeden Abend Party in einem Bauwagen im Wald, auffriesierte Mofas und das Ärzte-Album „Ab 18“, obwohl wir erst 15 sind. Was soll mehr Punkrock sein? Als Claudia den Schäferhund gegen ein Pferd eintauscht, berührt meine Zunge die von Susy.

Wir nehmen eine halb leere Colaflasche und füllen sie mit Asbach auf. Es ist eine warme Nacht. Wir teilen das Weinbrandmischgetränk und Küsse. Wir laufen durch die Dunkelheit und sitzen schließlich auf der Auswechselbank der Auswärtsmannschaft neben dem Sportplatz. Knutschen mit von Zigarettenrauch geschwängertem Atem, Berührungen wie Feuerwerke und endlich kann ich das Kondom verwenden, das ich seit Jahren in meinem Geldbeutel trage. Das macht man so. Stand in der Bravo.

Als wir zurück auf das Fest kommen, glaube ich ein Mann zu sein. Der Blick der anderen bestätigt das. Wir schlafen gemeinsam in meinem Schlafsack und als die Sommerferien aus sind, sind wir ein Paar. Vier Wochen lang. Dann wird es Herbst und im Herbst, da liebt man nicht.

Nach Susy kommt Sonja. Schnee liegt auf dem Bauwagen und Liebe in der Luft. Wir trinken Glühwein und besuchen Christkindlmärkte als wären wir Teil eines Films mit Hugh Grant. Als der Schnee schmilzt, tut es auch die Liebe.

Nach Sonja bin ich 18 und stehe knutschend auf den Tanzflächen der Kleinstadtdiskos, fummel auf dem Klo und wenn es gut ist, gibt es vielleicht ne Handynummer. Benutzte Kondome hinter den Sitzen meines Opel Corsa. Asbach ist uncool geworden, man trinkt jetzt Wodka und Ramona weiß, wie Blowjobs funktionieren.

Nach Ramona kommen Katrin und Kissen mit Engeln drauf. Eine gemeinsame Wohnung und Abende vor dem Fernseher mit immer weniger Sex. Katrin spricht von Kindern, Hochzeiten und Pauschalreisen. Sonderbayer träumt von Reisen mit den Kumpels durch Fußballstadien. Als es aus ist, zerspringt ein Teller an der Wand.

Die einzige Liebe, die immer blieb, war die zu meinem Fußballverein. Doch das geht an Anna und Susy, Sonja und Ramona und sogar an Katrin und all die Mädchen, die ich anquatschte und die heute deswegen aufschreien, an all die Diskobekanntschaften und an all die Morgen voller Peinlichkeiten, an alles Aktuelle und alles, was noch kommen wird. Ich trage euch in meinem Herzen, will die Zeit nicht missen und nie vergessen. Wenn eines Tages die ewige Liebe vor der Tür steht, dann gebe ich ihr einen Kuss auf die Wange und flüstere in ihr Ohr: „Liebe Liebe, du bist nicht das Ziel, sondern der Weg.“

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