Wo bleibt dann die Freiheit?

In der 3. Klasse habe ich meiner Oma das erste Mal eine Zigarette und eine Packung Streichhölzer geklaut und sie auf dem Spielplatz meines Dorfes hinter der Rutsche gepafft. Mit 13 habe ich mir für fünf Mark meine erste Schachtel Lucky Strike gekauft und war von da an Raucher. Supercooler Möchtegern-Gangster, der sich an Bushaltestellen rumtreibt und ständig spucken muss. Auf meiner ersten Schachtel stand ganz klein „Rauchen kann tödlich sein“. Man hat es nur gesehen, wenn man danach gesucht hat. Später kamen Schachteln, auf denen in dicken, schwarzen Buchstaben für 17-Jährige lustige Sprüche wie „Rauchen lässt Ihre Haut altern“ und „Ihr Arzt oder Apotheker kann Ihnen helfen das Rauchen aufzugeben“ stehen. Als die Schachtel 4€ kostete, hörte ich wieder auf. Ich hatte einfach keinen Bock mehr, meine hart erarbeitete Ausbildungsvergütung für so einen Mist auszugeben. Heute rauche ich ab und zu. Ich kaufe mir betrunken eine Schachtel und rauche die dann mit Begeisterung, um danach vier Wochen wieder keinen Glimmstängel anzurühren.

Rauchen ist scheiße, machen wir uns nichts vor. Man kommt schwer davon los und man verkürzt sein Leben aller Wahrscheinlichkeit nach erheblich. Rauchen macht süchtig ohne Ende. Eltern, die in der Schwangerschaft rauchen; Menschen, denen Kehlkopf oder ein Lungenflügel entnommen wurde und trotzdem einfach weiter rauchen, sind der Beweis dafür. Wir sind nicht alle Helmut Schmidt.

Diese Gesellschaft, die nur danach strebt, immer fitter, immer älter zu werden, hat das Rauchen verteufelt. Die EU hat letzte Woche beschlossen, dass Mentholzigaretten verboten werden, „Schockbilder“ 65 Prozent der Packung einnehmen sollen und Zigarettenverpackungen nicht mehr aussehen dürfen wie Mode-Accessoires. Okay, meinetwegen, mir egal. Die Frage ist nur: Wo führt das hin? Bereits jetzt gibt es Forderungen, das Rauchen in der Öffentlichkeit zu verbieten. Rauchen nur noch auf Bahnhofstoiletten neben den Junkies, die sich gerade Heroin in die Venen jagen. Vor ein paar Jahrzehnten gab es auf Zigaretten nur Hinweise, wie viel Nikotin enthalten ist. Heute also Bilder von Raucherlungen. Morgen ein komplettes Verbot. Heute stehen auf Nahrungsmitteln die Inhaltsstoffe und ob oder wie gesund Sie sind. Morgen dann Warnungen? „Dieses Nackensteak führt zum Tod“? Übermorgen Bilder von Fettleibigen auf Schokoriegeln? Vielleicht übertreibe ich. Aber vielleicht sollten wir uns fragen: Wenn ich nicht mehr entscheiden darf, was ich meinem eigenen Körper zufüge, wo bleibt dann die Freiheit?

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2 Gedanken zu „Wo bleibt dann die Freiheit?

  1. eingenickt sagt:

    Stimme dir halb zu. In der Öffentlichkeit ist es sicher eingeschränkt, aber dennoch: Rauchen hat auch Schäden für die Menschen in der nähren Umgebung. Raucht man beispielsweise an einer vollen Bushaltestelle, ist es nicht unrealistisch, dass Kinder davon betroffen sind. Sie sterben davon nicht. Nicht sofort, oder eher gar nicht, aber es tut ihnen sicher nicht gut. Und ich denke, dass es auch eine Art von Freiheit ist, ohne sich zu schaden an einer Bushaltestelle zu stehen. Auch wenn das übertrieben ist. Ich habe und werde nie rauchen, daher ist meine Sicht darauf sehr engstirnig. Und wenn du mich „aus- kontern“ willst: Mir fällt spontan ein Argument ein, welches ich nicht widerlegen könnte. Auch deswegen meine ich das nicht so, wie es sich anhört, denn an ganz anderen Stellen wird die Freiheit viel radikaler eingeschränkt, finde ich.

  2. Lea V. sagt:

    „Wo führt das hin?“ ist eben nicht die einzig logische, einzig konsequente Frage! Überzogenes Beispiel: Wenn man heute schon Kriegswaffen im Privatbesitz verbietet, wo führt das hin? Darf man bald seine Halbautomatische nicht mehr mit in die Schule nehmen, oder was? — Verstehst Du was ich meine?
    Rauchen schadet Dir. Deine Entscheidung. Aber Du bist eben auch ein erwachsener Mensch! Kinder sind da leichter zu beeinflussen, erst recht von Weltkonzernen, die die besten Texter und Grafiker genau darauf ansetzen, die Kampagnen besonders für Jugendliche und Kinder interessant zu machen! Außerdem schadet das Rauchen eben nicht nur Dir, sondern auch anderen: Der eine wird als Passivraucher in Mitleidenschaft gezogen, die andere liebt Dich und möchte nicht, dass Du krank wirst oder gar früh stirbst…

    Soll der erwachsene Bürger doch rauchen, aber was ist gegen Folgendes einzuwenden? 1. Kinder vor dem Rauchen und der Zigarettenwerbung schützen, 2. Den Preis drastisch erhöhen und den daraus erwirtschafteten Gewinn staatlich kontrolliert der Krebsforschung zukommen lassen, 3. Kein Rauchen dort zulassen, wo Nichtraucher (und eben Kinder) sich dem Rauch nicht (oder nur unter unzumutbaren Umständen) entziehen können!

    Was heute schon von vielen Menschen zumindest unterbewusst als vernünftig verstanden wird, aber gleichzeitig noch als Bevormundung aufgefasst wird, wird in einigen jahren Realität werden müssen. Beispiel: Ist ein Veggieday pro Woche in Kantinen wirklich eine Zumutung? Nein. Wenn wir mal ehrlich sind, essen wir doch mindestens einmal pro Woche auch als Nichtvegetarier etwas ohne Fleisch (Nudeln mit Tomatensauce, Käsepizza, Kartoffelpuffer, Milchreis, was weiß ich). Ich gehe jede Wette ein, dass wir Menschen bald sowieso gezwungen sind, uns fleischärmer zu ernähren, weil die für die aktuelle Verzehrsmenge nötige Massentierhaltung zu Seuchen ohne Ende führt und der Planet vor die Hunde geht.
    Warum also nicht einmal, ein einziges Mal in der Weltgeschichte etwas Richtiges und Gutes tun, bevor es das Notwendige und Unvermeidliche wird?

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