Keine Blogs mehr über Liebe

Es gibt eine Szene in Californication, in der Hank Moody das Wort „Blog“ mit der ihm ganz eigenen Verachtung ausspricht. „Blooog“, Unwort einer ganzen Generation. Ich darf das sagen, ich bin selbst Blooogger. Von Mai 2012 an habe ich mehr als ein Jahr lang jeden Donnerstag einen Text veröffentlicht, der zu sein hatte wie das Geschreibsel im Internet sein muss: Kurz, prägnant, rotzig und immer ein kleines Bisschen von dem anglizismischen Scheißesturm. Unsere vom Privatfernsehen zerfressenen Hirne können sich nur noch von der einen zur anderen Werbepause konzentrieren; alles, was länger zu lesen dauert, überfordert und fällt durch das Raster. Man bekommt keine Likes, keine Empfehlungen, wird nicht auf Facebook geteilt und per Direktnachricht mit Honig beworfen. Ich gebe zu, ich habe Statistiken studiert: Wann hatte ich die meisten Aufrufe, welcher Text ist der mit den meisten Klicks. Irgendwann hatte ich das Erfolgsrezept gefunden, die richtige Länge ermittelt, die Sprache so, dass sie jeder Depp versteht, aber trotzdem intelligent genug für den pseudointellektuellen Hipster, der gerne „kluge Dinge“ im Internet liest. Ich war die Prostituierte des Internets und ich war eine gute Nutte. Ich nahm den riesigen Penis aus fünf Minuten Internetberühmtheit und Selbstbeweihräucherung nicht nur in den Mund, ich habe ihn geschluckt bis zu den Mandeln und bis zum letzten Tropfen ausgesaugt. Doch selbst die beste Hure wird der Sache irgendwann überdrüssig. Meine Blogtexte sind gleich geworden, banaler und austauschbarer Buchstabensalat. Ich habe mich manchmal gezwungen, mich hinzusetzen und zu schreiben. Das Hobby wurde zum Kampf und deswegen erkläre ich hiermit feierlich: Macht euren Scheiß alleine. Ich will keine Blogs mehr über Liebe und Revolution schreiben. Was ich will ist Spaß beim Schreiben haben. Wenn alle paar Wochen eine kurze Geschichte dabei rausspringt, bin ich glücklich und werde diese auch veröffentlichen. Dem Blick auf die Statistik habe ich dabei abgeschworen (Kurzgeschichten bekommen meistens so um die 72 Klicks). Wenn ihr jetzt mit der neunmalklugen Stimme von Lisa Simpson sagt: „Der Bayer schreibt einen Blog darüber, wie scheiße Blogs sind, mit all den Zutaten, die er angeblich so hasst: Kurz, prägnant, rotzig… und dann schreibt er auch noch, dass er trotzdem weiter ab und an auf einem Blog veröffentlichen will. Der spinnt doch. Der Arsch.“, dann sage ich: „Ja, daher rührt mein Selbsthass. Ficker.“

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2 Gedanken zu „Keine Blogs mehr über Liebe

  1. Luk Zifer sagt:

    Ich geb dir ’n Monat.

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