Zeit für Veränderung

Ich bin Teil der Generation, die geboren wurde, als der kalte Krieg gerade vorbei war. Aufgewachsen in Frieden, nur ab und zu mal ein Golfkrieg, war „Krieg“ weit entfernt. Ein Wort aus anderen Kontinenten, geschrieben in roten Wüstensand.

Kiew ist näher an Berlin als Rom. Ein Land am Rande der EU, unserem Sicherheitsbereich, am Abgrund und wir blicken verwirrt in den Osten und fragen uns, was dort passiert. Während irgendwelche Idioten Flugzeug abschießen, halten europäische Politiker ihre empörten Gesichter in Kameras und die ukrainische Bevölkerung hat kein Brot mehr. Da hält es die EU wie Marie Antoinette; es ist sich eben doch jeder selbst der nächste.

Wir machen fröhlich Urlaub in der Türkei, während im Nachbarland seit Jahren ein blutiger Bürgerkrieg tobt. Ein menschenverachtender Diktator gegen menschenverachtende Rebellen. Wer leidet, ist der Mensch. Frauen sind nur noch Freiwild, das man sich nimmt, benutzt und auf die Straße schmeißt. Männer können in ihren kranken Augen wenigstens Gewehre halten und werden benutzt in Kämpfen um Städte, die längst tot, längst zu komplett verbombten Schutthaufen geworden sind. Die Welt schaut weg, interessiert sich nicht dafür, die Medien schreiben nichts mehr. Ein vergessener Krieg, der ihn nur umso grausamer Macht.

Der Nahostkonflikt, seit so ewiger Zeit unlösbar. Bodentruppen im Gazastreifen und Bomben über Tel Aviv werden von Nachrichtensprechern heruntergebetet wie das Wetter und niemand berichtet über das palästinensische Kind, das auf den Armen seines Vaters durch Gaza getragen wird, auf der Suche nach Sicherheit, die es nicht gibt, die Angst in den Augen, den Mund weit geöffnet und laut nach Freiheit schreiend. Währenddessen tötet wieder eine Bombe die Zivilbevölkerung, die von der Hamas aus ihrer perfiden Taktik heraus als Schutzschild benutzt wird. Niemand berichtet auch über den alten Mann mit der Nummer auf dem Arm, der in einem Kibbuz seine Oliven anbaut und doch nur nach Israel kam, um endlich in Sicherheit zu sein und nun erinnern ihn die Bomben über der einzigen Heimat, die sein Volk je hatte, an Polen 1939.

Ich bin nur ein dummer Idealist und ich werde die Welt nicht verändern. Auf einen Menschen, der Blumen anbaut und von Freiheit träumt, kommen hunderttausende Idioten, die Geld, Macht und Rassenwahn predigen. Hass wird in Israel genauso geschürt wie in Gaza, bei muslimischen Rebellen genau wie von Assad, in der Ukraine wie in Russland. Mein Traum ist nur, dass die Generation, die jetzt Mitte 20 ist, den Hass durchbrechen kann. Dass du, wenn du jetzt diesen Blog liest, dich in 30 Jahren daran erinnerst, wenn du als deutscher Außenminister in Israel bist, dass jeder Mensch das Recht auf Freiheit hat und dass jeder Kompromiss besser ist als auch nur eine Bombe, dass Gespräche besser sind als Folter und dass Freundschaft entstehen können zwischen Menschen, die eigentlich alle nur von Frieden träumen, egal ob sie palästinensische Kinder sind oder israelische Großväter. Erinnert euch daran, dass ein Kompromiss hält, wenn beide Seiten nur gleich unzufrieden damit sind und langsam beginnen sich zu engagieren. Erinnert euch daran, dass wir alle Menschen sind, die gleich viel wert sind, und wir können die Welt verändern. Wir können dafür sorgen, dass es keine „pro-russischen Separatisten“ mehr gibt, sondern nur noch eine Vereinigung „Pro Mensch“. Wir können dafür sorgen, dass der Ruf nach Freiheit größer ist als das Schürren von Hass, und Moslems, Juden und Christen werden unter der Flagge Israels Waren tauschen, das alte und das neue Testament sowie den Koran. Es wird Hochzeit geben zwischen allen Völkern und Kinder die nur Freiheit kennen. Wir müssen nur daran glauben.

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5 Gedanken zu „Zeit für Veränderung

  1. wortzauberin sagt:

    Treffende Worte gefunden …

  2. Gunslinger sagt:

    Hat dies auf Gunslinger's Wilder Süden rebloggt und kommentierte:
    Wenn alle so denken würden wie Sonderbayer, wäre die Welt ein besserer Platz. Vielleicht würde es auch schon reichen, wenn die Hälfte so denken würde. Im Augenblick habe ich eher den Eindruck, dass viele gar nichts denken, dass viele sehr satt und selbstzufrieden sind. Und dass viele nur auf das neueste SmartPhone warten. Denn das sind die wahren Werte in dieser kapitalistischen Welt. Immer wieder mal finde ich es schade, dass mein Blog nur eine geringe Reichweite hat. Jetzt zum Beispiel ist es wieder soweit.

  3. Danke für diesen warmherzigen, menschlichen Text. Wahrscheinlich ist das Zahlenverhältnis der Menschen, die sich eine andere, bessere Welt wünschen gar nicht so ungünstig, wie du es beschrieben hast. Sie denken vielleicht nur nicht darüber nach, weil ihr Hass es ihnen nicht erlaubt.

  4. Dieser Text ging mir sehr zu Herzen, denn er schreibt das, was ich auch denke. Leider bin ich inzwischen ziemlicher Pessimist geworden in Bezug auf die menschliche Dummheit, ihre Gier und ihre Verständigungsbereitschaft. Die Auseinandersetzung zwischen Ost und West, konkret zwischen Bundesrepublik und DDR, war zwar sehr unschön, aber wenigstens wurden keine Waffen eingesetzt bzw. wurde es immer in letzter Minute verhindert.
    Aber hier kennt ja der Vernichtungswahn bald keine Grenzen mehr. – Man sollte wirklich keine körperlich kleinen Männer zu Regierungschefs machen – Napoleon war da ein wunderbar schlechtes Beispiel dafür – die wollen einfach zu viel erobern.

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