So wird man ja noch leben dürfen.

Ralf steigt in seinen Golf und lässt den Motor aufheulen. Die „FreiWild“-Aufschrift auf seiner Heckscheibe ist mit Schnee bedeckt. Endlich hat es geschneit, endlich kann er driften. Aus den Lautsprechern tönen die Böhsen Onkelz, als er auf dem Aldi-Parkplatz die Handbremse zieht, sich um 180 Grad dreht und mit Vollgas weiterfährt. Ralfs Bauch spannt seinen Kapuzenpullover aufs äußerste. Seine Haare hat er sich auf der Seite abrasiert und oben mit viel Gel nach rechts drapiert. An seinem Kinn wächst ein Ziegenbart, wie er in den 90ern modern war, und sein Gesicht ist gezeichnet von all dem Hass auf die Linken, die Schwuchteln und die ganzen Ausländer, die hierher kommen und die bayerischen Mädchen ficken.

Da heißt es immer gleich man ist ein Nazi, dabei weiß Ralf ganz genau, dass er keiner ist. Er ist der einzige in Deutschland, der noch ganz bei Verstand ist. Ein Deutscher muss in seinem eigenen Land Mieten zahlen und die ganzen Behördengänge selber machen. All die Asylanten kommen nach Europa, bekommen alles gemacht, auch noch eine Wohnung gestellt. So kann es doch nicht weitergehen. Sein Meister in der Arbeit hat ihm das erzählt. Der weiß wie der Hase läuft, schließlich hat er sich schon für die NPD bei der Gemeinderatswahl aufstellen lassen.

Gestern war er in der Kneipe. Als Deutscher kommt einem da das Kotzen. Die Bedienung Tschechin, der Koch Türke und die Küche italienisch. An der Theke saß dieses Arschloch von Bayer. Früher in der Schule hatte der dem noch die Fresse poliert, aber so leicht ist das nicht mehr. Da kommen gleich die Bullen und dann muss er einsitzen. Hat doch schon zwei Jahre auf Bewährung bekommen, weil er dem Türken die Nase gebrochen hat. Der hat es aber auch gebraucht, die Schwuchtel. Der Bayer sitzt da mit seinen Haaren, die ihm über die Ohren wachsen, und alle Weiber himmeln ihn an. So kann es doch nicht weitergehen mit Deutschland, wo sich Weiber von solchen Hippies ficken lassen.

Sabrina hat ihn auch verlassen und ist jetzt mit einem Russen zusammen. Da muss mal wieder ein kleiner Hitler her, der hier ein bisschen aufräumt und dafür sorgt, dass man wieder stolz auf Deutschland sein kann.

Ralf dreht seine Runden durch die Stadt und holt sich bei McDonalds zwei Cheeseburger, die er auf dem Parkplatz in seinem Auto isst. Danach raucht er blaue Gauloises und bewundert einen grünen Ford Focus RS. Aus seinen Boxen kommt ACDC und weil er nicht weiß, was er sonst mit seiner Zeit anfangen soll, fährt er nach Tschechien, um sich Kippen, Benzin und Chinaböller zu holen. FreiWild singen von wahren Werten, als er zurück nach Deutschland fährt. Schnell raus aus diesem Scheißland, in dem sich die Fijis beim Crystalkochen gegenseitig in die Luft jagen. Im März wird Ralf vielleicht wieder eine Arbeit bekommen. Niemand braucht im Dezember Maler. Solange kann Ralf nichts machen außer hassen.

Die Figur von „Ralf“ ist erfunden. Alle Aussagen in diesem Text wurden in den letzten Tagen mir gegenüber getroffen, obwohl bekannt ist, dass ich eine dieser „linken Schwuchteln“ bin. Ich will gar nicht wissen, was Ralf & Ralf sich gegenseitig erzählen. Die Verhaltensweisen von Ralf sind leider typisch für Ostbayern und dieser Text könnte durchaus auch ein Tatsachenbericht sein.

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